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| Das 1 x 1 der Vogelfütterung: Futter und Futterstellen für das ganze Jahr. Die wichtigsten Vogelarten
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Vergleich Lohmann und Berthold/Mohr
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das 1 x 1 der Vogelfütterung: Futter und Futterstellen für das ganze Jahr. Die wichtigsten Vogelarten (Broschiert) Das 1 x 1 der Vogelfütterung von Michael Lohmann ist eine Reaktion auf "Vögel füttern - aber richtig" von Berthold/Mohr aus dem Kosmos Verlag, deren Ausführungen bei Lohmann häufiger aufgegriffen werden. Der Ornithologe Prof. Peter Berthold war jahrelang Leiter der Vogelwarte Radolfzell, Gabriele Mohr seine Assistentin.
Berthold/Mohr machen eine deprimierende Rechnung auf, derzufolge von 110 einheimischen Arten 35% so gut wie verschwunden seien, 20% in ihrem Bestand abnähmen und nur 10% ihre Bestände vergrößern konnten oder sich neu angesiedelt hätten. Alle erfolgenden Biotop- und Renaturierungsmaßnahmen könnten an diesem grundsätzlichen Bild nichts ändern, selbst die Zufütterung die Bestandszahlen vielfach nur auffangen. Die Ursachen sehen Berthold/Mohr im zunehmenden Landverbrauch durch den Menschen sowie der industrialisierten Landwirtschaft, saurem Regen, Kleinschneckenmangel u.a. Die Zufütterung sei eine sehr sinnvolle Maßnahme des Naturschutzes. An Futterstellen in Großbritannien wurden 165 Vogelarten gezählt, am Bodensee über 70 Arten, die von dem Futter profitierten. Je mehr Futtersorten vorhanden sind, desto mehr Arten stellen sich ein. Eine sichere Futterstelle führe dazu, dass die Vögel erneut brüteten und sich die Bestandszahlen erhöhten. Die Neueinsetzung von Lebensräumen mit geeigneten Futterpflanzen sowie die Unerlässlichkeit z.B. des vogel- und tierfreundlichen Gartens wird besonders betont.
Michael Lohmann hingegen setzt seine liberale "ökologische Brille" auf und überrascht seine Leser mit der Feststellung, dass die höheren Lebewesen nur "Schmuck am grünen Baum des Lebens" seien. Somit sei es irrelevant, ob wir Vögel füttern oder nicht. Die Schädigung des Mikrokosmos würde unsere Lebensgrundlagen weitaus mehr gefährden. Dabei übersieht der Autor, dass Fachleute noch gar nicht abschätzen können, welche Folgen zusammenbrechende Lebensgemeinschaften im Nahrungsgefüge auf das gesamte Ökosystem haben können. Die Vogelfütterung durch Menschen erfolge aus "egoistischen Gründen", die aber immerhin "liebenswert" seien und eine emotionale Verbindung zur Natur schafften. Diese Ausführungen des Autors sind umso überraschender, als dass er offenbar diesem "Egoismus" ebenfalls erlegen ist und eine Futterstelle im Garten unterhält. Die Zufütterung würde weder nützen noch schaden, die Anzahl der profitierenden Arten wird per Behauptung auf 10 bis 15, selten 20 Arten deutlich nach unten korrigiert, die aber immerhin die Nahrungssituation der gefährdeten Greifvögel verbessern könnten. Darüber hinaus hätten die Vögel die "Wahl, die von Menschen geschaffenen Möglichkeiten zu nutzen". Abweichend vom Thema erklärt der Autor, die Fütterung von Rehen, Hirschen und Wildschweinen führe zu einer "Verhaustierung" und zu Überbeständen, die den Wäldern schadeten. Die Selektion schwacher und kranker Tiere durch die Härten des Winters und durch Beutegreifer würde vernachlässigt und schädige das Ökosystem als ganzes. Die Fütterung in Notzeiten ist vielmehr in den einzelnen Bundesländern nach Zeitraum und/oder Sachlage verbindlich geregelt. Notzeiten sind nicht nur Schneelagen einer gewissen Höhe, sondern auch Dürre- und Überschwemmungskatastrophen. Liegen diese Notzeiten nicht vor, wird nicht gefüttert. Mit der Fütterung von Schalenwild (Rehe, Hirsche) bei hohen Schneelagen will man verhindern, dass die Tiere sich beim Scharren nach Futter oder langen Wegen auf der Futtersuche die Hufe aufreißen, was nicht selten zu Infektionen und zum qualvollen Verenden des Tieres führt. Entsprechende Beutegreifer fehlen aufgrund ungenügend großer Waldgebiete. Erst wenn das Tier genügend geschwächt ist, kommt der Fuchs als Beutegreifer in Frage. Die Fütterung von Schwarzwild (Wildschwein) erfolgt nicht, um die Bestände zu erhalten. Vielmehr geschieht dies im Rahmen von Ablenkfütterungen oder Kirrungen, an denen die Jagderlaubnis großzügiger ausgelegt ist. Von einer "Verhaustierung" kann bei Wildtieren keine Rede sein, ebenso wenig, dass der Sperber ein "Feindbild des Jägers" ist, wie Lohmann behauptet. Zurück zum eigentlichen Thema kommend, greift der Autor den Bericht über eine Kohlmeise auf, deren Nachwuchs aufgrund von "falschem" Futter (Flocken) eingegangen sei. Wer dies auf welche Weise festgestellt hat, erfährt der Leser leider nicht. Nicht nur die Vogeleltern sind hinsichtlich der geeigneten Nahrung für ihren Nachwuchs instinktsicher, auch die Nestlinge nehmen ungeeignetes Futter nicht an, wie aus der Handaufzucht bekannt ist. Somit ist nicht klar, ob die Nahrungslage insgesamt ungenügend war oder ob die Ursache des Todes ganz woanders zu suchen wäre, z.B. im Floh- oder Fleischfliegenbefall. Wer als Sinn der Vogelfütterung ausschließlich die emotionale Bindung des Menschen an die Natur ausgemacht hat, muss natürlich unterschiedslos auch die Fütterung von Wasservögeln befürworten, und das am besten mit Brot (in kleinen Stücken), wie aus einer Ernährungstabelle am Ende des Buches ersichtlich ist. Im Text werden Hafer, Gerste, Bruchmais u.a. Körner sowie zerkleinerte Eicheln, gedämpfte Kartoffeln, Grünzeug, Obst und Garnelenschrot genannt. Hygienische Probleme an Strandbädern und Liegewiesen dürften nicht dazu führen, das Füttern am See generell zu verbieten. Man müsse "die wahren Zwecke" nennen, anstatt "pseudo-biologische Argumente" vorzuschieben. Diese pseudo-biologischen Argumente allerdings liegen auf der Hand: Wie Berthold/Mohr berichten, benötigen Wasservögel keine Fütterung. Sie seien schnelle Flieger, die sich von Kleinstlebewesen in Gewässern ernährten und denen im Winter am besten durch Offenhalten einiger Wasserflächen geholfen sei. Substanzen, die, selbst im großen Bodensee, ins Wasser gelangten (insbesondere Brot), verschlechterten die Wasserqualität und führten zu Algen und Faulschlammbildung und reduziertem Sauerstoffgehalt, der Pflanzen, Kleinstlebewesen und Fischen schade und die Lebensgemeinschaften in Ufernähe störe. Erst bei außergewöhnlichen Frösten erfolge eine fachgerechte Fütterung oder eine vorübergehende Aufnahme der Tiere in geschützte Räume. Fazit ist, das 1 x 1 der Vogelfütterung von Michael Lohmann bietet hinsichtlich einzelner Vogelarten eine gewisse Orientierung, was diese fressen und auch einige Ideen für den Selbstbau einer Futterstelle, aber ich würde das Buch nicht noch einmal kaufen, um es zu verschenken. Fachlich gesehen ist "Vögel füttern - aber richtig" von Berthold/Mohr, Kosmos 2006 das weitaus zuverlässigere Buch.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. Dezember 2007 | | |
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